TAGEBUCH EINES VERIRRTEN (17/002)

oder die Suche nach dem Sinn meines Lebens

11.09.2017  Trübsinn & Selbstzweifel

Hallo unbekannter Freund,

dem Tag der Torschlußpanik folgte ein Tag der Trägheit, an dem ich eigentlich nur im Internet unterwegs war und meine Zeit verplempert habe. Was mich wieder mal sehr frustriert zu Bett gehen ließ. Und das obwohl ich mir fest vorgenommen hatte weniger Zeit vor dem Computer zu verbringen. Aber das ist schon irgendwie eine Sucht, wenn ich erst mal vor der scheiß Kiste sitze, fällt es mir verdammt schwer mich wieder los zu reißen.

Am folgenden Tag habe ich mich dann aber wieder mehr ins Zeug gelegt und habe nach meiner Vormittäglichen Samstags-Einkauf-Runde, am Nachmittag mein Küchenbuffet mit den ganzen Lebensmittelvorräten ausgeräumt, geputzt und neu sortiert. Ich frage mich oft woran es liegt, aber putzen und aufräumen, dauert bei mir immer viel länger als bei anderen Leuten und so wurde ich noch nicht mal ganz fertig.

Sonntags habe ich die vorerst letzte Gelegenheit genutzt so lange zu schlafen wie ich möchte und bin erst gegen Mittag aufgestanden. Dann habe ich den Rest des Buffets in Ordnung gebracht und abgespült. Nun hatte ich genug Platz um mein Sauerkraut an zusetzen. Dann war ich noch ein wenig im Garten zu ernten und auch ein bisschen herumzuwursteln, aber es war dann doch eher ungemütlich und ich nicht recht motiviert.

Da hab ich dann lieber noch einen Fermentierungsversuch mit den gerade geernteten Mexikanischen Mini-Gürkchen gestartet. Viele waren es nicht, gerade mal eine Tasse voll aber für einen Test ausreichend. Dann war´s schon wieder Zeit meinen Abendsalat zu schnippeln. Dann noch Baden, in der Wanne hab ich dann geschrieben und dann ab ins Bett.

Bis ich dann tatsächlich im Bett lag war´s dann auch schon wieder zwei Uhr und da ich um halb-sechs aufstehen mußte, die Nacht viel zu kurz. Der erste Arbeitstag lief dann zum Glück recht gnädig ab. Ich startete genau am Tag der offiziellen Begrüßung des Personals zur Spielzeiteröffnung. Dort versammeln sich alle Mitbarteiter des Theaters, der Intendant hält eine kleine Begrüßungsrede und stellt die neuen Mitbarteiter aus allen Abteilungen vor. Außerdem spricht er ein paar aktuelle Punkte an.

In diesem Jahr ging es natürlich um unsere neue Ersatzspielstätte im Martini-Park, wo die Veranstaltung diesmal auch statt fand. So lernten wir diese dann auch schon mal kennen, auch wenn alles noch unfertig ist. Und bis zur ersten öffentlichen Veranstaltung wird wohl auch nur das nötigste fertig werden. Das improvisieren geht also noch etwas weiter. Da die Halle ein gutes Stück von unserer Werkstatt entfernt ist, bescherte uns der Besuch zwei gut halbstündige Spaziergänge durch Augsburg. Was insgesamt für einen kurzen Arbeitstag sorgte.

Dennoch kam ich mittags, schon wegen der kurzen Nacht todmüde nach Hause und habe mich gleich hingelegt und den verpaßten Schlaf nachgeholt. Erst um fünf Uhr erwachte ich wieder ausgesprochen unmotiviert und kam nicht recht in die Gänge. Ich hab dann ausgiebig mit meiner Schwester und meiner Mam telefoniert um wenigstens ein wenig Familien-Pflege zu betreiben wenn ich mich schon für sonst nichts aufraffen kann.

Als es dann Zeit wurde ans Schlafen zu denken, damit es nicht wieder so spät wird, fiel mir ein, das ich diesen Post noch fertig machen und online stellen wollte – typisch!

 

Der Fluch der Langsamkeit

Zum Spazierengehen bin ich in den letzten Tagen überhaupt nicht gekommen. Da ich einigermaßen Aufräum-motiviert war, was bei mir selten genug vorkommt, wollte ich nicht riskieren durch irgendwelchen Müll, den aufzusammeln ich mich nicht zurückhalten kann, abgelenkt zu werden. Die Zeit rinnt mir auch so schon unaufhaltsam durch die Finger…

Aber eigentlich sollte mich das nicht verwundern, Langsamkeit ist schon immer mein großes Handicap gewesen. Ich hab schon alle möglichen Tipps ausprobiert um effizienter arbeiten zu können, aber irgendwie steh ich mir da selber im Weg. Entweder lasse ich mich zu leicht ablenken, denke zu viel nach oder bin zu perfektionistisch. Meist ist es eine Mischung von allem und ich kann einfach nicht aus meiner Haut.

Und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich im tiefsten inneren eigentlich auch überhaupt keine Lust mich zu verändern. Husch husch ist einfach nicht mein Stil. Das Problem liegt in einer Gesellschaft, in der eigentlich nur Geschwindigkeit zählt. Auch wenn ich das Glück habe, daß mir an meinem Arbeitsplatz deswegen keiner Vorwürfe macht, ich habe dennoch immer das Gefühl zu langsam und dadurch eine Belastung zu sein. Ob es sich dabei um die Wahrnehmung unausgesprochener Gedanken meiner Kolleginnen handelt oder um Selbstverurteilung ist schwer zu sagen.

Zusammen mit meinem großen Ruhebedürfnis führt es jedenfalls dazu, das ich nie genug Zeit habe und wenn ich diese ganzen schlauen schlauen Motivations- und Erfolgscoaches höre, wenn sie uns erzählen, das der Tag für jeden 24 Stunden hat und das wir es selbst in der Hand haben diese effizienter zu nutzen und daß das jeder könne, möchte ich kotzen. Ich hab´s versucht, ehrlich! Aber wenn ich solche tollen Ratschläge befolge, schaffe ich das höchstens zwei Tage, bin total frustriert weil ich es einfach nicht schaffe meinen Plan zu erfüllen und bin in der Folge dann für ein paar Tage total gelähmt und demotivierter als je zuvor.

Wenn ich in meinem Leben etwas verändern möchte, muß ich da eine Lösung finden. Ich komme schon nicht wirklich voran wenn ich nicht arbeiten gehe, aber ab morgen ist das Lotterleben wieder vorbei und dann fehlt mir nicht nur die Zeit, die ich bei der Arbeit verbringe, sondern mein Ruhebedarf steigt auch noch enorm an. Es sollte doch einen Weg geben auf dem ich nicht gegen meine Natur ankämpfen muß und trotzdem voran komme!

Kennst Du diese Zeitprobleme auch, wie gehst Du damit um?

Bis bald und liebe Grüße

Rufus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.