Mein Leben in Grau

„I lost my soul Deep inside – Oh, And it’s so Black And cold, deep inside“ („Sistinas“ – Danzig)

oder – Ich wartete auf mein Ende…

Ich hatte ja angekündigt zu erzählen wie mein Leben aussah, bevor das Barfuß-laufen und die Rohkost mein Leben verändert haben.

Wenn man es kurz halten will, kann man einfach sagen: Ich war unglücklich!

Und das obwohl es mir eigentlich objektiv betrachtet nie schlecht ging. Ich habe liebevolle Eltern, die noch immer leben. Ein Glück, das nicht jeder hat! Als Kind wurde ich nicht über das normale hinaus gehänselt und auch wenn ich nicht zu den beliebtesten gehörte, war ich nie ohne Freunde. Ich lebte nie im Reichtum, kannte jedoch auch keine echte Not. So sagte ich mir selbst häufig, daß ich keinen Grund zum Jammern hätte und dennoch:

Ich sah einfach keinen Sinn im Leben und hoffte nur, daß es nicht all zulange dauern würde. An Selbstmord habe ich auch gelegentlich gedacht, aber dazu fehlte mir immer der Mut. Nicht, daß ich Angst vor dem Tod hatte, es war die Angst vor dem Scheitern die mich zurück hielt. Was, wenn ich überlebe und dann unmündig in die Fänge der Psychiatrie gerate oder noch schlimmer, in einem Zustand überlebe, der mir einen neuerlichen Versuch unmöglich macht? Auch schieden viele Methoden für mich von vornherein aus, da ich niemanden mit hineinziehen und traumatisieren wollte, z.B. Lokführer. Und mutwillig meine Leiche irgendwo rumliegen lassen, wo sie von Kindern gefunden werden könnte, finde ich auch nicht gut. Dazu kommt, daß ich viel zu träge war um tatsächlich zu handeln.

So habe ich mein Leben einfach abgesessen und gehofft, daß ich nicht allzu alt werde. Es gab natürlich verschiedene Phasen in meinem Leben, mal ging´s mir besser, mal schlechter, wie das bei jedem so ist. Je älter ich jedoch wurde, umso chronischer wurden die schlechten Phasen und ich bemühte mich gar nicht mehr etwas daran zu verändern.

Als ich noch jünger war, habe ich immer wieder Versuche gestartet meine Ideale zu leben, mich gut und gesund zu ernähren und auf eine ökologische Lebensweise zu achten. Mit der Zeit hatte ich jedoch aufgegeben. Was kann ich alleine schon bewirken wenn das Großteil der Menschheit auf die Umwelt scheißt? Warum soll ich teuer BIO kaufen wenn eh alles vergiftet ist und meine Kohle knapp? Warum soll ich mich gesund ernähren, wenn ich sowieso jung sterben möchte?

Das Ergebnis war, daß ich in der Zeit bevor sich mein Leben zu besseren gewandelt hat, zunehmend ungesund und unbewußt lebte. Ich ernährte mich von Butter-Brezen, Tiefkühlpizza und Schlemmerfilet, dazu gerne jede Menge Süßkram. Ich habe geraucht und gekifft, vor allem letzteres brauchte ich um mein Leben zu ertragen und den Tag zu überstehen. Dem Alkohol hab ich mich allerdings nie hingegeben, da mir weder der Geschmack noch der Rausch zusagte.

Ich lebte nur noch in meiner Fantasie und eigentlich war es nicht einmal meine Fantasie, sondern die Anderer. Ich tauchte so oft wie möglich ab in die Welten von Geschichten, die ich am liebsten in Form von Hörbüchern und Serien konsumierte. Schlafen war mein liebstes Hobby. Keine Ziele, kein Antrieb, nur unerfüllbare Wünsche und Träume und das warten, daß ein Glücksstern in mein Leben fällt und wie durch ein Wunder alles gut und schön wird. So sah mein Leben aus…

Im Grunde war ich wohl wie sehr viele Menschen da draußen – depressiv, aber funktionstüchtig im Sinne der Gesellschaft. Ich konnte einer Arbeit nachgehen und mich in Gesellschaft anderer Menschen fröhlich und freundlich geben, so daß möglichst keiner merkte wie es in mir aussah.

Im Danzig-Song „Sistinas“ heißt es:

„I lost my soul
Deep inside
Oh And it’s so
Black And cold, deep inside“

Diese Zeilen beschreiben eigentlich sehr gut, wie ich mich damals die meiste Zeit über fühlte.

Wenn ich jetzt so zurückblicke war ich ein richtiger Zombie. Aber ich kann nicht sagen, ob sich von außen betrachtet so viel in meinem Leben verändert hat. Ich bin noch immer kein großer Macher und ein konkretes Ziel, das ich mit voller Energie verfolgen könnte, habe ich auch noch nicht gefunden. In meinem Inneren hat sich jedoch alles geändert.

Ich habe die Lebensfreude gefunden die mir zuvor fehlte, auch wenn nicht alles eitel Sonnenschein ist, so bin ich nun in der Lage das Positive zu sehen und mich darüber zu freuen. Ich habe erkannt, daß ich ganz alleine dafür Verantwortlich bin wie mein Leben aussieht und wie ich es wahrnehme. Das zu erkennen war ein schmerzhafter Prozess, aber es sind meist die unangenehmen Erfahrungen an denen wir wachsen.

Ich hoffe ich konnte Dir verständlich machen, wie ich mich früher gefühlt habe. Es ist mir nicht leicht gefallen dies zu schreiben, so was behält man lieber für sich und ich möchte Dir eigentlich auch nichts vor jammern. Aber um die Veränderungen nachvollziehen zu können, mußt Du nun mal meine Ausgangssituation kennen.

Kannst Du meine Gefühle nachvollziehen oder hast Du vielleicht selbst auch schon solche Phasen in Deinem Leben durch gemacht?

Wie ich da raus kam wird ein längere Geschichte, die sich mir in ihrer Gänze auch erst langsam erschließt und noch nicht abgeschlossen ist. Es waren kleine Schubser des Schicksals, die mich auf den richtigen Weg brachten und als ich ihnen folgte, passierte auf einmal alles wie von selbst. Vieles ergibt erst im Rückblick einen Sinn, gewinnt an Bedeutung oder ist noch in der Entwicklung. Du wirst die Geschichte stückchenweise hier zu lesen bekommen und das Ende steht noch nicht fest… 😉

Liebe Grüße, bis zu nächsten mal                                                                                           Rufus

 

3 Gedanken zu „Mein Leben in Grau

  1. Lieber Rufus,
    wie ich dir schon auf Facebook geschrieben habe – ich finde es toll, dass du es nun machst und schreibst.
    Ich werde wohl nicht alle deine Blogartikel lesen – es wäre mir, ganz ehrlich, zu viel – , aber ich finde es toll, wie du so frisch und frei schreibst. Es ist interessant, von deinen Erfahrungen zu lesen.
    Und ich bin neugierig, wie du vom „Zombie“ zum Rohköstler und Barfußläufer geworden bist – was in dir die Wandlung initiierte bzw. „was“ da am Werk war, um diese Transformation in dir auszulösen.
    P.S.: Ich habe übrigens auch schon länger den Gedanken an einen Blog in mir, aber dann zweifle ich daran, dass ich genug zu schreiben hätte…

    • Danke Verena,
      dieser Artikel war jetzt schon recht lang. Wenn ich bei meiner Ein-Stunden-Frist bleiben möchte werde ich es mir angewöhnen müssen kürzer Texte zu verfassen. Wenn ich das nicht schaffe, da werde ich das mit dem täglichen Postings nicht lange durch halten zu mal ich ja auf Kommentare hoffe und diese auch noch beantworten will 😉
      Deine Chancen stehen also gut, das Du wenn auch nicht täglich, so doch alles lesen kannst was ich schreibe, wenn Du das denn möchtest.
      Ich kann Dir nur zuraten Deinen eigenen Blog zu starten. Du schreibst sehr schöne und inspirierende Posts auf FB und es ist schade, daß sie dort so schnell in Deiner Chronik versumpfen und so immer nur kurz ihre Wirkung entfalten können. Wie oft und wie viel Du schreibst kannst Du ja ganz allein entscheiden und wenn´s nur einmal im Monat oder noch seltener ist, was soll´s.
      Liebe Grüße

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