Kinderlieder-Zensur für das Tierwohl?

Warum ich KEIN „Veganer“ bin – Teil 4

Heute muß ich mich doch fast ein wenig aufregen, Anlaß ist dieser Artikel:

Pause für „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“                                         Rathaus-Glockenspiel nach Veganer-Protest geändert

Der Liedtext von Ernst Anschütz wurde 1824 unter dem Titel „Warnung“ veröffentlicht.

Eine Veganerin hat sich beim Bürgermeister über das Glockenspiel beklagt, da ihrer Meinung nach das Kinderlied „Fuchs Du hast die Gans gestohlen!“ ihre veganen Gefühle verletzt. Kein Witz, wenn man der Hessenschau glauben darf, was ich in diesem Fall mal annehme. Geschehen ist das ganze in Limburg und der feinfühlige Bürgermeister hat das Lied ganz unbürokratisch aus dem Repertoire des Rathaus-Glockenspiels genommen. Sicher gut gemeint, aber wem er damit einen Gefallen getan hat ist fraglich…

Die Folge ist, nun wird die ganze Angelegenheit in den Medien zerpflückt und gibt die vegane Bewegung einmal mehr der Lächerlichkeit preis! Das ist genau das Bild, das viele Veganer in der Öffentlichkeit präsentieren. Blinder, gedankenloser und moralisch überheblicher Aktionismus, der alle nicht veganer vor den Kopf stößt!

Das heißt noch nicht mal, das die Mehrheit der Veganer so drauf sind, aber es sind die, die sichtbar sind. Jene, die einfach ihr Ding machen, ohne an anderen herum zu kritteln werden nicht wahrgenommen – leider!

Die gute Frau hat mit ihrer erfolgreichen Beschwerde der veganen Bewegung sicher keinen Gefallen getan, sondern vielmehr zur Verhärtung der Fronten beigetragen. Eine Steilvorlage für alle Vegan-Hasser und ein idealer Beweis für die „hirnrissigen Ansichten dieser Grasfresser“. Die Zensur von traditionellen Kinderliedern hat zudem einen unangenehmen Beigeschmack von Bücherverbrennung, der gerade bei liberalen Menschen auf Ablehnung stoßen dürfte.

Auch fällt es schwer den Argumenten der Dame zu folgen, denn sie stört sich an der Jagdandrohung gegen den Fuchs. Wenn man jedoch den Text liest, erscheint es doch weniger eine Drohung, sondern viel mehr eine wohlmeinende Warnung an den Fuchs, der durch den Gänseraub den Jäger auf den Plan ruft. Also eigentlich dient dies sogar dem Wohle des Fuchses, oder wie würdest Du das deuten?

Für mich ist dieser Artikel mal wieder ein Beispiel dafür warum ich mich nicht zu den Veganern zählen möchte. Ich bin einfach nur ein Pflanzenfresser, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

So, genug Empörung für heute, liebe Grüße!                                                                  Rufus

3 Gedanken zu „Kinderlieder-Zensur für das Tierwohl?

  1. Lieber Rufus,
    ich glaube auch, dass so eine Handlung wie die jener Frau wohl kaum dazu beitragen wird, die verschiedenen Richtungen einander näher zu bringen.
    Andererseits finde ich es auch in Ordnung, dass diese wahrscheinlich hochsensible Person ihre unguten Gefühle ernst nahm und kundtat.

    Zunächst einmal erzeugt es halt ein wenig Aufruhr, aber nach ein paar Wochen wird wohl kein Hahn dem verbannten Fuchslied mehr nachkrähen.

    Liebe Grüße und ein angenehmes, erholsames Wochenende!
    Verena

    • Liebe Verena,
      sicherlich ist die Geschichte als Einzelereignis schnell vergessen und von geringer Bedeutung. Sie zeigt aber sehr deutlich wie unreflektiertes Handeln einer eigentlich guten Sache schaden kann.
      Natürlich ist es richtig ungute Gefühle ernstzunehmen und gegeben falls auch zu kommunizieren. Aber auch wenn man hochsensibel ist sollte man sich klar sein, daß nicht die ganze Welt auf einen rücksichtnehmen kann und wird. Ich bin selber hochsensibel und es gibt vieles, das ich in meiner Umgebung als störend empfinde, Autos, Parfüm, Werbung uvm. Will ich mich besser fühlen, muß ich lernen damit umzugehen. Zu fordern, daß alle anderen sich ändern, damit es mir besser geht, führt nur zu Widerstand und löst das Problem höchstes vorübergehend. Aber das mußte ich auch erst lernen, weshalb ich die Frau nicht für ihr Handeln verurteile.
      Ich wollte die Geschichte nur als Beispiel und Denkanstoß nehmen, wie eine solche Handlungsweise auf die Gesellschaft wirkt.
      Auch Dir ein schönes Wochenende und liebe Grüße
      Rufus

  2. Lieber Rufus,
    ich verstehe deinen Standpunkt. Wollte zunächst schon schreiben, ich sehe das ähnlich wie du.
    Aber während des Schreibens fühlte ich plötzlich diese Frau und ihr Empfinden. Und ich hatte Mitgefühl und fand sie sogar mutig.
    Ja, und auch wenn ich da anderer Ansicht bin wie du, schätze ich deine Überlegungen.
    Alles Liebe,
    Verena

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