Faust auf der Brechtbühne

Mein Theaterabend

Da hatte ich großartig angekündigt, daß ich nun täglich bloggen wolle und schon an vierten Tag blieb mein Artikel aus – was war los?

Wie ich schon erzählte bin ich Schneider am Theater, das gibt mir das Privileg bei hausoffenen Proben unserer Aufführungen, meist die Generalprobe, zuzusehen. Und da ich, wie ebenfalls schon berichtet keine Menschenmassen mag, nutze ich diese Möglichkeit gerne aus. Gestern fand die GP von „Faust“ statt und diese wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Ich habe mir also Blog-Frei genommen und mir einen schönen Theaterabend gemacht. Anstatt zu schreiben, habe ich mich nach der Arbeit erst einmal zu einem Nickerchen hingelegt, damit ich in der Vorstellung fit und aufmerksam und nicht müde und schläfrig bin.

Vor Probenbeginn hatte ich mich mit meiner Mutter zum Essen verabredet, in einem wunderbaren kleinen veganen Lokal, das auch eine schöne Auswahl an Rohkost anbietet. Mom´s Table – Ein wahres Juwel über dessen Entdeckung ich mich Ende vergangen Jahres freuen durfte. Denn seit meiner Umstellung auf Rohkost, kannte ich kein Restaurant mehr in dem ich bereit war mein Geld auszugeben. Nun da ich es entdeckt habe versuche ich wenigstens einmal im Monat dort zu speisen und rühre auch gerne die Werbetrommel. Ich möchte das der Laden läuft, damit er lange erhalten bleibt – purer Eigennutz 😛

Nach dem leckeren Abendmahl ging´s dann ab in die Brechtbühne um zu begutachten, was die dort mit unseren Kostümen veranstalten. Ich war von dem Ergebnis sehr angetan. Es handelt sich hier nicht um eine einfache Inszenierung des bekannten Stückes. Im Gegenteil, sollte man die Geschichte noch nicht kennen, ist es vermutlich ratsam sich vorab damit vertraut zu machen. Auf der Bühne werden verschiedene Szenen der verfilmten Gründgens Inszenierung vom Hamburger Schauspielhaus von 1960 nachempfunden und mittels der im Hintergrund auf mehreren Videowänden eingespielten entsprechenden original Szenen aus besagtem Film und neu erstellten Filmsequenzen zu einer Kollage zusammen gefügt, in der auch alte Interviews zur Gründgens Inszenierung ihren Platz finden.

Durch diese Kollage führt Oscar Olivo als eine Art Moderator/Kommentator des Geschehens. Er empfängt auch zu Beginn das Publikum mit einer einführenden Rede, in der er schließlich auch den „Faust“ mit dem aktuellen Politgeschehen in Amerika in Bezug bringt. Zu meinem großen Bedauern tut er dies jedoch in englischer Sprache. Zwar gibt es dazu eine Übersetzung, diese ist jedoch nicht vollständig. Ich selbst bin des Englischen nur in sehr geringen Maße mächtig, es reichte gerade aus um zu bemerken, daß die Übersetzung verkürzt war, ich konnte jedoch nicht alles verstehen.

Dieser Punkt, der ansonsten gelungenen Inszenierung, hat mich doch etwas gestört. Muß man fließend Englisch können um eine Augsburger Theaterproduktion zu verstehen? Den Einsatz dieser Sprache als Stilmittel kann ich zwar im Kontext durchaus nachvollziehen, da diese Einführung jedoch nicht nur aus ein paar wenigen Sätzen bestand, fand ich es dennoch recht ärgerlich. Wenn man als Deutscher in einem Deutschen Theater Fremdsprachenkenntnisse benötigt um alles zu verstehen, braucht man sich nicht wundern, wenn Theater für die breite Masse elitär wirkt. Ganz abgesehen davon, daß solche Dinge Wasser auf den Rädern nationalistischer Propagandisten sind.

Dennoch eine unterhaltsame, erfrischende Auseinandersetzung mit dem Faust-Thema und unbedingt zu empfehlen. Schon allein wegen der Kostüme von Amit Epstein, die mir in ihrer Wirkung sehr gut gefallen haben. Außerdem macht es uns Schneidern natürlich auch immer besonderes Spaß, wenn wir Stücke nähen dürfen die nicht der Straßenmode entsprechen. Fotos gibt´s hier. Wenn es Dich interessiert, Oscar Olivos buntes Fransen-Hemd und Alexander Darkows blaue, nennen wir es „Toga“, durfte ich nähen. 🙂

Heute gab es also mal eine kleine Theaterkritik, morgen geht´s dann, wie angekündigt, mit meinem Leben vor dem Wandel weiter. Aber so ist das halt, ich schreibe über das was mir gerade durch den Kopf geht 😉

Liebe Grüße

Rufus

4 Gedanken zu „Faust auf der Brechtbühne

  1. Hallo Rufus! Ich lese deinen Blog (von Anfang an 😉 mit Interesse. Wir kennen uns nicht persönlich, obwohl ich auch am Theater beschäftigt bin und wie du gerne die Möglichkeit der Generalprobenbesuche nutze. Ich war am Freitag auch in Faust und habe gehofft, dass du darüber schreibst. Vieles von dem, was du oben schreibst, sehe ich genauso. Ich habe den Faust vor vielen Jahren schon mal an den Kammerspielen gesehen und gebe dir Recht, dass man sich mit dieser Inszenierung leichter tut, wenn man das Stück kennt. Trotzdem finde ich es eine tolle Art, sich diesem „harten Brocken“ zu nähern. Schauen wir mal, was die Kritiker morgen dazu meinen. Kompliment für deine Kostüme und weiterhin viel Spaß mit deinem Blog.

    • Danke Thomas,
      ich freue mich über Dein Interesse!
      Schade, daß wir uns noch nicht persönlich kennengelernt haben, wo wir doch am selben Theater arbeiten. Das sollten wir bei Gelegenheit ändern…
      Liebe Grüße
      Rufus

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