Die erste Begegnung mit dem Einhorn (1/2)

Weg des Wandels, Teil 3                                  Kapitel 1 – Das Einhorn, Teil 1

Die erste Begegnung

Mein Einhorn begegnete mir an einem sonnigen Tag, auf dem Nachhauseweg von der Arbeit zum ersten mal. Es saß auf einem Fahrrad und hatte die Gestalt eines gutaussehenden jungen Mannes. Sehr groß, sehr schlank, sportliche Figur, barfuß und mit kurzen Hosen war mir dieser blonde Typ mit dem ansteckenden, jungenhaften Lächeln sofort sympathisch.

Er hielt an und machte mir, wenn ich mich recht erinnere irgend ein Kompliment wegen meiner Haare. Wie genau er mich ansprach weiß ich nicht mehr, ich werde sehr oft angesprochen, wegen meiner Haare und es sind eigentlich immer die selben Sprüche, deshalb höre ich meist nicht richtig zu und es folgen auch stets die selben Fragen: 

Sind die echt? Wie lange wachsen die schon? Kann man die waschen? oder Wie wäscht man die? Wie schwer sind die? Und mein absoluter Favorit: Sind das Deine Haare? Und bevor die Fragen jetzt auch von Dir kommen, werde ich das gleich beantworten: Ja, seit Herbst 1999, klar, ganz normal nur ohne Pflegezusätze, schwer zu wiege – ca. 1 kg und natürlich sind es meine, wem sollten sie auch sonst gehören, wenn sie auf meinem Kopf sind?

Aber zurück zum Einhorn. Er sprach mich also an und die Frage, die dann folgte sorgte dafür, das ich ihn zum ersten mal richtig bewußt wahrnahm. Er fragte wer ich bin und was ich mache! Das klingt jetzt vielleicht nicht besonders außergewöhnlich. Es ist jedoch eine Tatsache, daß ich zwar oft angesprochen werde, aber diese Leute interessieren sich nicht für mich, sondern nur für meine Haare. Eigentlich sollten sie mit meinen Haaren reden… 😛

Nachdem ich mich vorgestellt hatte, wollte ich natürlich auch wissen mit wem ich es zu tun hatte. Das er ebenfalls am Theater beschäftigt ist wußte ich bereits, da er erwähnt hatte, er habe mich zuvor auf der Personalversammlung gesehen. Wenn ich mich recht entsinne war es die Vorstellung des Programms für die kommende Spielzeit 12/13 und die erste auf der gerade neuerrichteten Brechtbühne. So erfuhr ich, das es sich um einen unserer Solosänger handelt – peinlich. Immerhin war ich schon seit fast einer Spielzeit am Theater beschäftigt und der Name war mir natürlich schon bekannt. Ich hatte schon für ihn genäht.

Allerdings sind die Herrenschneidergesellen bei den Anproben nicht anwesend und ich hatte in diesem ersten Jahr kaum die Gelegenheit genutzt bei den hausoffenen Generalproben zuzusehen. Zumal die Opernproben meist Donnerstags sind und häufig sind Opern auch deutlich länger als Ballett- oder Theaterstücke. Wenn ich danach nachhause marschiere bin ich hinterher immer richtig schön wach und brauch mich für die nächsten zwei-drei Stunden gar nicht ins Bett lege. Leider ich habe um 7 Uhr Dienstbeginn und das heißt früh aufstehen.     

Ich hatte also noch keine Oper in unserem Theater gesehen und ihn somit auch nicht auf der Bühne. Auch sonst begegnen wir „Handwerker“, mit unseren normalen Arbeitszeiten, den Künstlern nur selten.                                                                                                                                                       …Fortsetzung folgt!

 

Liebe Grüße                                                                                                       Rufus

2 Gedanken zu „Die erste Begegnung mit dem Einhorn (1/2)

  1. Schön, lieber Rufus!

    „Wer bist du?“
    DU bist gemeint. Das ist so heilend. Ja, da gibt es jemanden, der DICH sieht – nicht nur deine Haare. So einfach…

    Dein heutiger Beitrag berührt mich.
    Danke!
    Herzliche Grüße,
    Verena

    • Liebe Verena,
      das hast Du sehr gut erkannt.
      Diese Bereitschaft den Anderen wirklich wahrzunehmen, das ist seine Einhorn-Gabe 😉
      und es ist tatsächlich sehr heilsam!
      Liebe Grüße
      Rufus

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