Das Häschen-Experiment

Der Beweis für unseren Pflanzenfresser-Instinkt?

Warum ich KEIN „Veganer“ bin – Teil 7

Eine Angewohnheit der veganen Szene, die mich sehr abstößt, ist das unreflektierte wiederholen irgendwelcher Beispiele, die zum Beweis der unwiderlegbaren Richtigkeit dieses Lifestyles heran gezogen werden. Manche dieser Dinge sind absolut einleuchtend und auch kaum zu widerlegen wie zum Beispiel:

„Man benötigt kein tierisches Protein zum Muskelaufbau. Sieh Dir nur den Ochsen oder einen Gorilla an, denen mangelt es sicher nicht an Muskeln und sie fressen nur Pflanzen!“ Auch wenn ich das „nur Pflanzen“ anzweifle, schon allein weil kein Tier seine Nahrung so pedantisch säubert wie der Mensch und damit zwangsläufig einiges an Kleinstlebewesen mit verzehrt werden, kann man das für die Grundaussage: „Pflanzenkost enthält ausreichend Protein (in Form von Aminosäuren) um stark zu werden und bleiben.“ vernachlässigen. In der Tat ist es einfach so, das die Welt der Pflanzenfresser einige muskelbepackte Giganten aufzuweisen hat.

Aber es gibt auch andere Beispiele bei denen ich mir oft denke: „Ich bin ja von der veganen Ernährung total überzeugt, aber das ist einfach Blödsinn!“ Das mir die Verweise auf unsere Anatomie und Entwicklungsgeschichte bezüglich unserer „Ursprünglichen Nahrung“ nicht einleuchten, habe ich ja schon dargelegt. Falls Du das noch nicht gelesen hast, findest Du es unter der Rubrik „Warum ich KEIN Veganer bin!“ in Teil 5 & Teil 6

 

Ein Beispiel das ich schon gefühlte hundertmal gehört und gelesen habe und bei dem ich inzwischen nur noch schreiend wegrennen möchte ist das „Häschen-Experiment“. Es wird stets wie folgt erläutert:

Man nehme ein Kleinkind und setze es auf den Boden. Dann legt man einen Apfel neben das Kind und setzt ein Häschen dazu. Der prophezeite Ausgang des Experimentes: Das Kind wird den Apfel in den Mund stecken und mit dem Häschen spielen. Der daraus gezogene Schluß: Der unverfälschte Kinderinstinkt zeigt unsere natürliche Veranlagung als Pflanzenfresser.

Der erste Impuls ist diese Aussage so hinzunehmen und zu glauben, so war es bei mir und, so oft wie diese Geschichte übernommen und zitiert wurde, kann ich wohl behaupten es geht den meisten Menschen so, vor allem wenn sie dem veganen/vegetarischen Gedanken nicht gänzlich abgeneigt sind. Aber entspricht diese Beschreibung einer tatsächlichen, unvoreingenommen Beobachtung oder spiegelt sie nur das wieder, was wie auf Grund unserer Erwartungen gerne sehen wollen?

Mein Gehirn wäre nicht mein Gehirn, wenn es diese Aussage nicht hinterfragen würde und so kamen mir doch sehr schnell Zweifel. Der erste resultierte aus meiner eigenen Kindheit. Ich war der absolute Fleischfresser und Gemüse für mich ein Folterinstrument und diese Einstellung ist bei vielen Kindern zu beobachten! Auch möchte ich behaupten, daß mir schon recht früh bewußt war, daß Fleisch aus toten Tieren besteht. Das war bei uns zuhause auch kein Tabuthema, von meinem Vater kamen durchaus öfter mal Bemerkungen wie: „Da steht unser Sonntagsbraten“ beim Anblick verschiedener Nutztiere. Auch in Zeichentrickfilmen ist die Bildsprache deutlich, wenn Willi Kojote an ein Brathähnchen denkt sobald er den Roadrunner sieht…

Der Gedanke ein Tier aktiv zu töten, oder ein Tier zu essen, welches ich persönlich kennen gelernt hatte, war mir zwar unvorstellbar. Nicht aber die Tatsache, daß ich tote Tiere esse. Immerhin tun das auch viele unserer geliebten Schmusetiere wie Hund und Katze. Es gehört zum Kreislauf der Natur. Das wir eine Scheu vor dem Töten haben liegt, so denke ich, nicht an einem natürlichen Instinkt, sondern an Konditionierung. Kinder die mit Nutztierhaltung und evtl. Hausschlachtung aufwachsen, oder bei Naturvölkern, erleben das meist völlig anderes.

Nach diesem geistigen Ausflug in meine eigene Kindheit, habe ich das Experiment mit dem verglichen, was ich in meinem bisherigen Leben wirklich beobachtet habe. Kleinkinder stecken ALLES in den Mund, ob es nun essbar ist oder nicht! Deshalb ja auch diese Warnhinweise „Nicht für Kinder unter drei Jahren, Kleinteile könnten verschluckt werden.“ Das Kind würde also vermutlich sowohl den Apfel mit den Mund erkunden, als auch das Häschen. Letzteres wird nur vermutlich nicht stillhalten und sich dieser Behandlung entziehen. 😉

Außerdem würde das Kind sich wohl auch die eigenen Finger und Füße in den Mund stecken. Daraus abzuleiten der Mensch sei von Natur aus Kannibale, wäre laut dieses „Experiments“ also ebenso möglich, wie unsinnig. Es ist einfach ein natürliches Verhalten von Kindern, sich sowohl alles in den Mund zu stecken, als auch damit zu spielen, so lernen wir unser Umwelt kennen.

Das Experiment würde, mit einem anderen, eindeutig fleischfressenden Säugetier, z.B. einer jungen Katze, einem Hundewelpen oder auch einem Löwenjungen vermutliche ein sehr ähnliches Ergebnis zeigen. Auch diese würden Apfel und Häschen mit dem Maul erkunden, beschnuppern und damit spielen. Sie würde vermutlich auch nicht versuchen, den Hasen zu fressen, denn auch sie lernen erst von ihren Eltern, was sie fressen können und wie man jagt und Beute reißt. Deshalb verhungern von Menschen aufgezogene Raubtiere leicht, wenn man sie ohne entsprechende Schulung in die Wildnis entläßt.

Ein weiterer Fakt, den dieses „Experiment“ unterschlägt ist, daß ein Kind, welches alt genug für die Durchführung ist, schon längst konditioniert ist. Kaum ist ein Baby geboren, schon werden ihm flauschige kleine Tiere in den Arm gedrückt und es entsteht eine entsprechende Prägung. Von unverfälschtem Instinktverhalten kann also nicht die Rede sein. Also selbst wenn das Experiment wie vorhergesagt verläuft, beweist es nichts.

Es ist einfach nur Propaganda! Und genau das ist es, was mich daran so stört! Viele Veganer, gerade die, die für diesen Lifestyle in der Öffentlichkeit werben, stellen sich als besonders bewußt, aufgeklärt und der Wahrheit verpflichtet dar – und dann solche hohlen Phrasen…?! 🙁  Muß das denn wirklich sein? Haben wir keine besseren Argumente?

Wie siehst Du das, gibt es auch vegane Propaganda die Dich auf die Palme bringt und dafür sorgt, daß Du Dich schämst selbst „vegan“ zu sein und Dich auch lieber als „Pflanzenfresser“ bezeichnest um Dir nicht dieses Etikett anzukleben?

Liebe Grüße!                                                                                                                          Rufus

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